Schottern in den Pyrenäen

Musikempfehlung zu diesem Artikel: Wolfmother- Mind’s Eye

Freund Franky wohnt mitten im Wald in den Pyrenäenausläufern bei Esperaza. Allerdings führt kein richtiger Fahrweg zu ihm, zumindest kann man die extrem ausgewaschene Piste, die mit großen Stufen und extremen Spurrillen steil bergauf führt, kaum so nennen. Wir müssen also etwa einen Kilometer unterhalb, parallel zum Berg, auf einem schlechten Feldweg im Weinberg parken. Alles andere als ein idealer Parkplatz, denn links von uns, zum Abhang hin, befindet sich eine etwa 40 Zentimeter tiefe und mindestens zwei Meter lange Spurrille. Egal!

Franky liest uns aus seinem spannenden Buch vor!

Gut versteckt zwischen den Bäumen hat sich unser Freund ein uriges, kleines Holzhaus gebaut. Karl May und Jack London lassen grüßen. Neben dem Bett hängen ein Gewehr und eine Schrotflinte an der Wand. Ein wunderschöner Wildholzstuhl, der leider unter einem Berg langer Unterhosen und Socken begraben ist, steht neben einem speckigen Ausziehtischchen. Das spartanische Ensemble wird von einem Holzofen und einem Gaskocher abgerundet. Ein Schrank voll mit geräucherten Würsten macht den Trappertraum perfekt.

Wir kochen mit Franky und tauschen Neuigkeiten aus. Wir haben uns eine Weile nicht mehr gesehen. Dann liest er uns aus seinem autobiographischen Roman über sein wildbewegtes Leben vor, beginnend als Hippiepunk in München, wo er mit Bauwagen und Trekker über die Lande zog, bis hin zum Selbstversorgerdasein in Ungarn, Gefängnisaufenthalt in Finnland und krasser Drogenkarriere bis hin zum Entzug. Am besten finde ich die Stelle, als er seinen Freund in einer spektakulären Fluchtaktion aus dem Knast von Nürnberg befreite. Was für ein Leben! Das Buch wird bestimmt ein Erfolg. Ich hoffe sehr, dass Franky einen Verlag für sein Werk finden wird. Er selbst zweifelt nicht daran, spricht sogar schon davon, dass sein Buch sicherlich verfilmt werden wird.

Immer auf der Hut vor Wildschweinen, steigen wir im Dunkeln wieder ab, um in unserem LKW zu übernachten. Frankys großzügiges  Angebot, in einer der Hütten auf seinem Grundstück zu bleiben lehnen wir ab. Das eigene Bett ist eben doch am schönsten. Mit Sorge bemerken wir, dass zu regnen beginnt. Der feine Lehmboden droht, sich in eine schmierige Rutschbahn zu verwandeln.

Am nächsten Morgen planen wir einen Einkaufstag: Vorräte aufstocken für Marokko. Doch beim Versuch, rückwärts in Richtung der Schotterstraße auszuparken, sacken wir prompt in die Spurrille ein. Frau Scherers Hinterteil bewegt sich langsam, aber zielstrebig in Richtung Abhang, kommt aber – zum Glück – kurz vor der Abbruchkante zum Stehen. Panik! Weiter zurückzusetzen wäre fatal. Unsere einzige Chance ist es, wieder ein Stück vorwärts zu fahren. Statt einem gemütlichen Einkaufstag stehen uns nun also Straßenarbeiten bevor. Wir schottern und graben die Böschung ab, um die Fahrbahn zu erweitern. Nun können wir nur noch warten, bis der Regen wieder aufhört und der Untergrund abtrocknet. Verdammt, noch keine Woche sind wir unterwegs und müssen schon die Schaufeln auspacken. Zum was-weiß-ich-wievielten Mal frage ich mich, warum ich eigentlich nicht auf Cluburlaube stehe. Ein Hotel mit heißer Dusche, Buffet, Animation und Cocktails mit Schirmchen, das stelle ich mir gerade wunderbar vor. Stattdessen schleppe ich  zentnerschwere Steine heran, ruiniere meine Fingernägel und Hosen, während ich im Dreck buddle. Auch Heppo ist frustriert. Die kommende Nacht verbringen wir in unangenehmer Schieflage.

Noch keine Woche unterwegs und schon müssen wir schaufeln.

Wir wachen mit Rückenschmerzen auf. Der Matsch ist immer noch da. Bei einem weiteren Startversuch brechen die untergebauten Steine weg. Das Heck unseres LKWs bewegt sich wieder Richtung Abhang. Das Schlimme ist, dass die Situation eigentlich völlig harmlos aussieht. Auch auf den Fotos, die ich schieße, wirkt alles relativ unspektakulär.

Es hilft nichts, wir müssen uns einfach weiter in Geduld üben. Franky bringt uns Bretter zum Unterlegen und hilft beim Schaufeln. Wie es der Zufall will, kommt plötzlich tatsächlich der Mechaniker-unseres-Vertrauens aus Regensburg vorbei. Zusammen mit seiner Freundin ist er auf der Durchreise. Was für ein Glück! Trial-Holger und Rita packen sofort kräftig mit an und wissen genau, was zu tun ist. Sie weisen uns an, die Sandbleche auszupacken, um das Gewicht gleichmäßig auf den Steinen zu verteilen. Keine Viertelstunde später sind wir frei. Etwas anspruchsvoll ist es noch, rückwärts den Berg hinab zu fahren, doch dann stehen wir endlich wieder auf festem Boden. Franky, Holger und Rita sei Dank!

Frau Scherer droht abzurutschen…

Fazit: Den Stellplatz am Weinberg können wir keinesfalls empfehlen, den kostenlosen Wohnmobilstellplatz am Fluss in Esperaza mit Toilettenhäuschen und Trinkwasser jedoch sehr.

Wegen der Buddelaktion müssen diesmal die Aussteiger und Hippies von Esperaza und die Aliens von Bugarach leider bis zu unserem nächsten Besuch warten. Und der größte Freak in dieser Gegend ist wahrscheinlich sowieso unser Freund Franky!