SOMMER DER LIEBE

Vorbemerkung: Den ganzen Juli 2017 darf ich als Writer in Residence in Pécs, Ungarn verbringen.
Vielen Dank an das Oberpfälzer Künstlerhaus für das Stipendium!

Wie war das schön, als man am Morgen noch gerne die Zeitung aufschlug – ein bisschen Innenpolitik und ein paar Nachrichten aus der Welt, alles in gut verdaulichen Häppchen zum Frühstück serviert. Am Wochenende erwartete die Leserin/den Leser oft eine Magazinbeilage, prall gefüllt mit Wellness, Wohlfühlreiseberichten und schlecht getarnter Werbung für unsagbar schöne, ebenso teure und letztendlich überflüssige Dinge, Nachrichten zum Vergnügen.

Heute ist das leider anders. Man traut sich kaum einen Blick in die Zeitung zu werfen, ohne eine Packung Valium oder zumindest eine Pulle Schnaps griffbereit zur Hand zu haben. Die Welt steht Kopf, die Nachrichten werden immer irrer, die möglichen Szenarien immer beängstigender. Langsam bekommen sogar die abgeklärtesten Menschen Panik. Überzeugte Pazifisten spielen bereits mit dem Gedanken, sich eine AK47 – sprich Kalaschnikow – zuzulegen. Ganz sicher nicht, um sich gegen die bösen muslimischen Fremden zur Wehr zu setzen, sondern, um den verfickten Naziarschlöchern dieser Welt die hässliche Blondtolle vom Schädel zu brat-tat-tat-tat-tat-taten.

Doch, nein, nein, nein. Gewalt ist auch keine Lösung. Wenn Lügen und Hass die Welt aus den Angeln heben können, dann funktioniert das sicherlich auch in die andere Richtung:

Probieren wir es doch mit LIEBE.

Ich rufe auf zu einer neuen Bewegung, zu einem Jahr, einem Jahrzehnt, einem Jahrhundert, ach was, einem Jahrtausend der LIEBE!

Und es beginnt jetzt:
Leute, steht auf, geht auf die Straße, tanzt, küsst euch, liebt euch, helft euch, sprecht miteinander, lernt teilen, macht Yoga, pflanzt Blumen, seid nett zu euren Mitkreaturen und nehmt – von mir aus – psychedelische Drogen, was auch immer. Aber lasst nicht zu, dass die Angst euch auffrisst und der Hass gewinnt. Der Frühling kommt und nach ihm der SOMMER DER LIEBE.

Und, was hat das alles mit meinem Aufenthalt in Ungarn zu tun?

Da gibt es jetzt mehrere Szenarien und, je nachdem ändert sich meine Berichterstattung.

Szenario 1: Ihr nehmt die Sache mit der LIEBE nicht ernst genug und verharrt weiter in Lethargie. Faschismus, Diktaturen und weltweiter White Pride sind ungebrochen auf dem Vormarsch. Meine Texte werden dann vermutlich verdammt dark, ernst und politisch…

Szenario 2: Die neue LIEBESbewegung ist nicht stark genug, um das Ruder rumzureißen, stellt jedoch ein Gegengewicht zu all dem Hass her. Die Welt wird wieder eine Spur normaler – fast wie vor dem ganzen Wahnsinn. Dann schreibe ich einen wunderbaren Wohlfühl-Reisebericht, über scharfe Würste, die lustige Sprache der Ungarn und whatever will happen. Ich verspreche Euch, Wellness-Lesen, perfekt zum Frühstück…

Oder,
Szenario 3:
Der SOMMER DER LIEBE, tritt tatsächlich ein – wow – danke – ihr seid wunderbar – ich LIEBE euch – dann schreibe ich an dieser Stelle keinen Strich und verbringe vier Wochen tanzend, singend und LIEBEND am Balaton…

Ihr habt es in der Hand!

Come and join LOVE and PEACE,
Eure Berit

Februar, 2017

 

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