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Radioreise Westafrika #3 – Ghana Special

Bringt Euch die heißesten Musikstrends aus Westafrika, diesmal aus Ghana: Berit

diesen Mittwoch, 07.10.2020 von 21.00-22-00 Uhr läuft die dritte Ausgabe meiner Radioreise Westafrika bei Ghost Town Radio Regensburg, diesmal mit einem Ghana Special:

Afrika ist mehr als nur Trommelmusik. Das ist Euch hoffentlich mittlerweile klar geworden, oder? Besonders vielfältig ist die Musikszene aber in Ghana. Die dritte Sendung der Radioreise Westafrika wird besonderes bunt.
Diesmal ist wirklich für jeden etwas dabei: Hardrock, Disco, Reggae, Highlife, Electro-Punk, ein Clubmix und nicht-jugendfreier Gospel-Porn-Rap.
Halleluja, das kann ja heiter werden! Schickt Eure Kinder ins Bett, denn diese Sendung ist genauso heiß wie das tropische Ghana. Wer hier nicht ins Schwitzen kommt ist selber Schuld! Amen!


Heute, 06.10.2020 um 19 Uhr kommt außerdem eine Wiederholung einer meiner ersten beiden Sendungen!

Frau Scherer ist wieder zu Hause!

Oh happy day: Frau Scherer in Hamburg

Leider komme ich gerade fast nicht zum Schreiben. Ein Artikel über Frau Scherers spannende Rückreise mit dem Schiff von Abidjan (Elfenbeinküste) nach Hamburg und weiter Richtung Regensburg muss daher noch etwas warten, ebenso die ausstehenden Berichte über Togo und Benin… Seufz, das Landleben hält uns ziemlich auf Trab. Ich sage nur: “Kartoffelacker!”

Soviel sei dennoch schon verraten: Frau Scherer steht mittlerweile wieder bei uns am Hof – zum Glück nur leicht lädiert, dafür aber mit neuem Selbstbewusstsein. Selbstständig ist unser Expeditionsmobil geworden! Es kann nun schon ganz alleine von Kontinent zu Kontinent reisen. Wahnsinn!

Die Verschiffung ging übrigens über ECU Worldwide: Das ist ein sogenannter Forwarder (Agent), den wir mit bestem Gewissen empfehlen können. Es gibt Ansprechpartner in Hamburg, auch  in Abidjan und an weiteren Häfen weltweit.

Mutig sein!

Trotz unserer verfrühten Rückkehr nach Deutschland möchte ich nach wie vor von Afrika berichten. Hier geht es also nun weiter mit einem Bericht aus Ghana (Januar 2020):


Heute ertrage ich die Aussicht nur gefiltert!

Als wir am nächsten Morgen aufwachen, dem ersten Tag des neuen Jahres 2020, realisiere ich erst,  was neben dem Rising Phoenix so los ist. Das Gewusel dort hatte ich gestern schon irgendwie registriert, aber offenbar war mein Gehirn von all der Information  so komplett überfordert gewesen, so dass ich wohl immer schräg daran vorbei geguckt haben  musste. Dabei ist das, was dort geschieht, eigentlich ganz normal und einfach nur typisch Afrika. Auf einem großen Platz spielt sich das gesamte Leben des gleichzeitig so dörflichen wie städtischen Viertels von Accra ab. Da wird gekocht, gewaschen, Kinder spielen und Hunde laufen durcheinander. Man massiert sich gegenseitig, streitet, dealt mit Gras, raucht Zigaretten und trinkt Alkohol. Alles, einfach alles, spielt sich hier öffentlich ab.
Etwas von der Ferne betrachtet sieht dieses afrikanische Sittengemälde aus wie ein riesiger Haufen aus Menschen, Tieren und großen Töpfen. Doch bei längerer Beobachtung dieses eigentlich harmlosen Wimmelbildes merke ich, wie meine Synapsen das wilde und bunte Durcheinander nur schwer ertragen können. Manchmal muss man mutig sein, vor allem bei Dingen, die man so gar nicht erwartet.
Vielleicht verhält es sich hier ja ein bisschen so wie bei der Geschichte mit den Schiffen von Columbus. Diese konnten  von den  amerikanischen Ureinwohnern nicht wahrgenommen werden, einfach deshalb, weil das, was sie sahen, so völlig anders war als alles, was sie bisher gekannt  hatten. Eine seltsame Erfahrung, das merke ich gerade jetzt, und ein Lehrstück darüber, wie Wahrnehmung funktioniert.

Ähnliche Themen beschäftigen auch das amerikanische Lehrerehepaar Polly und Leo. Die beiden sympathischen Kalifornier, die gerade ein Auslandsjahr als Lehrer an einer internationalen Schule in Accra verbringen, hatten wir in der Ashanti-Region bei einem der Kente-Weberdörfer kennengelernt. Obwohl ich sonst selten so forsch bin, hatte ich damals die beiden nach ihrem Kontakt gefragt. Nun haben wir uns  mehr oder weniger selbst zu ihnen eingeladen. Die Sympathie ist aber zum Glück gegenseitig. Sie wohnen in einem mit Stacheldraht gesicherten Anwesen der Schule, in dem  ausschließlich Mitarbeiter der Lincoln School untergebracht sind.

Polly ist Grundschullehrerin und fiebert bereits der Rückkehr nach Kalifornien entgegen. Leo als Kunstlehrer kann dagegen Ghana doch einiges abgewinnen, vermutlich sogar sehr viel. In seinen großformatigen Arbeiten beschäftigt er sich mit Voodoo, Geistern, unheiligen Familien, wilden Männern, dem Boogieman und Opfergaben. Wiederkehrende Symbole sind anatomisch gezeichnete Herzen und Krähen. Ganz schön düster! Dazu sitzen die beiden in einer fast komplett verdunkelten und stark gekühlten Wohnung und hören dunklen Ambientsound – ein extremer Kontrast zum bunten und heißen Leben draußen vor der Tür. Fast scheint es, als ob die beiden ein (dunkles?) Geheimnis hätten…

Trotzdem, diese beiden Menschen sind so liebenswert und gastfreundlich, dass wir uns auf der Stelle sehr wohl bei ihnen  fühlen. Interessante Leute sind das, die bereits in Japan, Indien, Saudi Arabien und an vielen weiteren Ländern auf dieser Welt als Lehrer gearbeitet haben. Ghana wird aber wohl ihre letzte Auslandserfahrung bleiben, denn die beiden sind eigentlich schon längst im Rentneralter. Ich finde ihr Engagement auf jeden Fall sehr bewundernswert. Sie ähneln in mancher Hinsicht dem  Resort-Besitzer Philippe vom Fanta Folly‘s Beach. Hier  treffen wir also schon wieder auf Menschen, die sich nicht gemütlich in festgefahrenen Bahnen bewegen, sondern die sich trotz ihres fortgeschrittenen Alters ihre Neugier bewahrt haben und Neues ausprobieren wollen. Sie sind für mich ein Vorbild, und ich nehme mir fest vor, auch weiterhin neugierig, mutig und unerschrocken zu sein. Kein schlechter Vorsatz für das neue Jahr, nicht wahr?