2017-07-10 Grobian mit dem Grinsegesicht

Grinsender Kentaur vor grausam blauem Himmel

Ich liebe den Sommer.

Doch jedes Jahr gelange ich unweigerlich an den Punkt, an dem ich nicht umhinkomme, zu denken: „Lass ab von mir, Grobian mit dem Grinsegesicht! Du Partyflittchen ohne Tiefgang. Ein Schenkelklopfer bist du, Sommer, und ein liederlicher Spaßterrorist!

Dann möchte ich mich – „Bitte gönne mir doch nur diesen einen Tag!“ – mit einer Tasse Kaffee auf dem Sofa verkrümeln und Kekse aus einer goldenen Dose mampfen. Genau das tun, was mir im Advent so zuwider ist. Möchte nicht der Sonne hinterherjagen müssen, den Grillfeiern und den Badeweihern. Möchte einfach nur ich sein, mich stumm und stoffelig hinter einem Buch verstecken dürfen.

In Ungarn kann ich diesem Drang, den ich an dieser Stelle zum ersten Mal dem Licht der Öffentlichkeit preisgebe, ungeniert freien Lauf lassen.
Hier ist es sogar klug, dem Sommer die kalte Schulter zu zeigen. Heute hat es 36 Grad und morgen – so raunt es durch das Internet – soll es sogar 38 Grad heiß werden! Niemand, der bei Verstand ist, ist unterwegs. Und wer doch raus muss, schleppt sich von Schatteninsel zu Schatteninsel. Nur die Bauarbeiter nebenan – so stelle ich es mir zumindest vor – bemühen mit schwarz verkohlten Händen und dunklen, stoischen Gesichtern unverdrossen ihre Presslufthämmer und Meißel – ein Konzert der Verdammten.

Ich würde gerne etwas anderes schreiben. Wahrscheinlich langweile ich Euch schon?
Aber was soll ich Euch erzählen über getrunkenen Kaffee und angebissene Käsebrote, über gelesene Bücher und geschriebene Zeilen?

Ein schrecklicher Gedanke durchfährt mich:
Was, wenn es da draußen überhaupt keine Menschen gibt?
Was, wenn die Baustellengeräusche nur vom Band kommen?
Was, wenn ich die letzte Überlebende bin?

Bitte schreibt mir…

PS: …freue mich auch über Einladungen zu Grillfeiern oder an den Badeweiher!


Weiter lesen: Muskelschwund
Und das war vorher: Ungarisch lernen

Kein Foto von Wert, aber so sieht ‚meine‘ Wohnung aus.