2017-07-28 Sommer der Liebe II

Ipomea und Gruß an meine Eltern: Ja, ich war im Botanischen Garten von Pécs!

Der Palinka am Vormittag verwirrt meinen Geist.
Wenn folgender Artikel also ein ‚Schmarrn‘ wird, dann hab ich auf jeden Fall eine prima Entschuldigung: Kláras ungarischer Selbstgebrannter ist schuld daran!
Denn so ist das nämlich in Ungarn:
Nicht mal die Yogalehrerinnen schrecken davor zurück, ihre Schüler nach der Stunde mit Pfirsischschnaps abzufüllen.
Hups, jetzt habe ich tatsächlich Pfirsischschnaps geschrieben mit ’sch’… statt mit ‚ch‘.
Dasch geht ja schon gut los!

Klára, Esther und Ingrid auf Kláras Terrasse

Neuer Versuch:
Eigentlich wollte ich ja ein Resumée über meinen Aufenthalt schreiben und den Bogen zurück zum „Sommer der Liebe“ schlagen, „Nyári Szerelem“, wie die Ungarn sagen würden.

Aber wo beginnen?
Ach was, warum lange um den heißen Brei herumreden? Ich komme gleich zur Sache, nämlich zur Politik!
Diese habe ich in diesem Tagebuch entgegen meiner großspurigen Ankündigung bisher weitgehend ausgelassen, stattdessen habe ich mich lieber im Schweiße meines Selbstmitleides gebadet, „Ach, die ungarische Hitze!“ und Krokodilstränen der Einsamkeit vergossen: „Schon wieder alleine im Biergarten, schnüff!“

Dabei passierte doch so einiges auf dieser verrückten Welt:
Hamburg wurde von irren Despoten, linken Krawallmachern und prügelnden Polizisten besucht, Trump überlegt, sich selbst zu begnadigen, Kaczyński versucht, die Justiz zu „reformieren“, Erdogan lässt einen jeden verhaften, der ihm nur ansatzweise in die Quere kommt, und Ungarn klagt gegen die europaweite Umverteilung von Flüchtlingen, während so viele Menschen wie noch nie zuvor im Mittelmeer ertrinken.
Es sieht also ziemlich mies aus, vor allem weil die Erde nicht von weisen und gerechten Männern und Frauen regiert wird, sondern von Wahnsinnigen. Es ist zum Heulen!

Was also tun? Attentat oder Alkoholismus?
So ähnlich dachte wohl auch mit einem nicht zu leugnenden Realitätssinn Victor Orban, der seine Bevölkerung nicht vor die Wahl stellen wollte und kurzerhand die Schnapsbrennerei legalisierte. Womit wir wieder beim Palinka wären…

Äh, Faden verloren… worauf wollte ich noch einmal hinaus?

Ach ja, die Gegenmaßnahme:
Es hilft wohl nur, bei sich selbst zu beginnen und die eigenen Vorurteile zu beseitigen.
Jetzt kann ich es ja zugeben:
Ich zum Beispiel, erwartete in Ungarn, lauter kleine Gulasch fressende Victors vorzufinden, die sich mit Stacheldraht von ihren Nachbarn abgrenzen und davon träumen, eine große Nation zu sein.
Nie und nimmer hätte ich erwartet eine spirituelle Oase zu entdecken, Ayurveda, Yoga und sogar ein hinduistisches Ashram, mitten in Pécs. Dazu unglaublich herzliche und aufgeschlossene Menschen. Ich war und bin – offen gesagt – verblüfft.

Und wahrscheinlich ist genau dies das Gute am Reisen:
Es konfrontiert einen mit Dingen, die man weder gesucht noch erwartet hätte, beschäftigt das Gehirn, bricht Vorurteile auf und hält einen davon ab, ein alter, paranoider Sack zu werden!

In diesem Sinne: Danke Ungarn! Köszönöm Pécs!

Und, Aufruf an alle:
Macht das Beste aus eurer Realität und die Welt zu einem besseren Ort.
Der Sommer der Liebe ist noch lange nicht vorbei!

And to whom it may concern (who is everybody):
Make the best of your reality and the world a better place!
The summer of love has just started!


Und das war vorher: Made in Pécs

Passender Artikel: SOMMER DER LIEBE

Aktiver Weltverbesserungsversuch, Foto: Klára

Päonie Frucht

Malve