Nuakschott

Knochenbleiche Landschaft mit Rundhauber

Auf einer perfekt geteerten Straße fahren wir nun in den Osten, in die Hauptstadt Nuakschott. Mehrmals wechselt die Landschaft ihre Farbe:
Rotbraun und Beige ist sie im Adrar. Innerhalb von nur 100 Kilometern schafft sie einen Übergang zu sanftem Grün. Dort, wo etwas Regen fiel, ist der Sand nun von feinen Stängeln und Halmen durchzogen. Und plötzlich ist da eine richtige Grasdecke. Kuh-, Ziegen- und Schafherden freuen sich über das reichhaltige Nahrungsangebot.
Schon 150 Kilometer weiter sehen wir das absolute Gegenteil. Unwirtlich ist es nun da draußen. Ein starker Wind weht. Keinen Fuß möchte man hier vor die Tür setzen. Die vorherrschende Farbe nenne ich „Knochenbleich“.
Vor Nuakschott leuchtet der Sand aber nun wieder  in Goldgelb. Die Todesplanetstimmung weicht, und das Gemüt stimmt sich bald auf positivere Gefühle ein.

Unwirtlich kann trotzdem gut aussehen

Die Farbe wechselt zu Gelb, ebenfalls mit Rundhauber

Aber – Moment! – soll das ein Witz sein? Sieht so etwa die Hauptstadt Mauretaniens aus? Hinter dem Ortsschild „Nuakschott“ stemmen sich nur ein paar Zelte und wackelige Hütten tapfer gegen den Wind. Zum Zentrum hin gewinnt Nuakschott jedoch an Größe, Dichte und Präsenz.

Umgekippt? Umgekippt!

Ja, das kann man Stadt nennen. Auch wenn sie nicht schön ist oder weltläufig, aber alles ist da: Botschaften, Banken und sogar Supermärkte! Und trotzdem, die Endzeitstimmung, die wir im ganzen Land feststellen konnten, hat auch die Hauptstadt fest im Griff.

Wie bitte? Das soll die Hauptstadt sein?

Nichts ist neu, nichts glänzt. Alles sieht gebraucht und verbraucht aus. Die Straßen, die Geschäfte und sogar die Menschen befinden sich in einem ewigen Zustand der Improvisation. So stelle ich mir die Welt nach dem Atomkrieg vor, der aber schon ein paar Jahre zurückliegt; Die Menschheit hat sich arrangiert. Man nimmt, was man bekommen kann und nutzt es, solange es eben geht.

Fährt doch noch…

Reifenhändler

Public transport

Schrottautos klappern vor uns durch die Straßen und blasen schwarzen und weißen Qualm in die Luft. Es fährt, was eigentlich nicht mehr fahren kann/darf/muss. Was abfällt, fällt eben ab:
Keine Autotüren mehr? Wer braucht schon Autotüren?
Motorhaube fort? Geht auch ohne!
Blinker weg? Blinker weg!
Und so weiter und so fort…

Ich denke an die deutsche Abwrackprämie. All die Fahrzeuge, die damals entsorgt und verschrottet (!) wurden, würden hier noch locker weitere 10 oder 20 Jahre lang ihren Dienst tun.
Mittlerweile haben wir uns aber schon an den Anblick gewöhnt; wir sind weniger schockiert als fasziniert. Das Abgefuckte hat auch Charme. Verdammt fotogen ist es auch!

Fotogen

Ob der zweite Stern wohl hilft?