Afrikaklischee

Musiktipp: Fatoumata Diawara Von ihr gefällt mir, ehrlich gesagt, nicht alles, aber die Dame ist wahnsinnig sympathisch und die Hauptdarstellerin im sehr sehenswerten Dokumentarfilm Mali Blues.

Hauptstraße nach Bamako

Noch zwei ganze Fahrtage brauchen wir bis nach Bamako. Die Route Nationale in Richtung der Hauptstadt ist unglaublich schlecht. Sie entspricht dem Klischeebild von Afrikas Verkehrswegen: Rote Erde, riesige Schlaglöcher, klapprige Busse und LKWs,  auf denen winkende junge Männer sitzen. Die Fahrzeuge ziehen gewaltige Staubwolken nach sich. Und diese wiederum bedecken alles rundherum mit einer feinen, roten Schicht.

Schlimmer geht’s nimmer!

Die spärliche Vegetation der Dornsavanne wird von Kilometer zu Kilometer von neuen und grüneren Pflanzen abgelöst. Wir sichten erste Mango- und Cashewbäume, sogar Baobabs, die mit ihren hängenden Kugelfrüchten aussehen wie Weihnachtsbäume von einem anderen Stern.

Der Baobab mit Früchten wie Handgranaten. Zum Bestäuben braucht er übrigens die Hilfe der Fledermaus.

Kleine Teiche und Seen mit wunderschönem Seerosenbewuchs ziehen unsere Blicke auf sich. Nach der Wüste finden wir den Anblick einer Wasserfläche einfach unwiderstehlich. Große Viehherden stehen an den Ufern. Die Kühe fallen uns besonders auf. Schöne Tiere sind das. Ihre Farbe ist weiß, und sie tragen lange, gebogene Hörner.

Kleinbusse sieht man überall, hier mit der Aufschrift: Wer kennt die Zukunft?

Desto bunter, desto besser!

Oft sind sie schwer beladen…

… und manche haben ihre besten Zeiten auch schon hinter sich

So spannend es aber auch ist, ein neues Land und eine neue Landschaft zu entdecken, so anstrengend ist es auch. Die Straßen sind wirklich in einem katastrophalen Zustand. Für 50 Kilometer brauchen wir vier Stunden. Ständig haben wir Angst, unser Lastwagen könnte auseinander brechen, wenn wir wieder einmal in eines dieser gigantischen Schlaglöcher hinein rumpeln. Heppo wird nicht müde zu schimpfen: „Hier kann man eigentlich gar nicht mehr fahren!“, grantelt er. „Da werd uns no alles hi!*“

Die Frauen haben es aber auch nicht leicht …

Erst nach Sonnenuntergang kommen wir in Bamako an. Diesmal kann das Navi nichts dafür, dass wir aufs Neue mitten im Marktchaos landen. Heppo schwitzt und flucht: „Ich muss es wieder ausbaden!“ Schuld bin ich, denn ich habe die Koordinaten im falschen Format eingegeben. Grober Fehler! Das darf eigentlich nicht passieren, und ich bin zerknirscht. Heppo schwitzt, als er unseren LKW durch eine winzige Gasse aus brüllenden Händlern lenken muss.

Unser Ziel ist das „Sleeping Camel“, ein sehr bekannter Travellertreffpunkt in Mali,  und der liegt auf der südlichen Flussseite. Wir befinden uns aber gerade auf der Nordseite des Nigers, etwa sieben Kilometer davon entfernt. Endlich ist die Engstelle geschafft, der Markt überwunden. Zurück bleibt der eher normale Wahnsinn einer afrikanischen Großstadt: Hektik, chaotischer Verkehr, wenig Regeln, Tiere und Menschen mitten auf der Straße. Eine hochmoderne Tankstelle kommt in Sicht. Heppo atmet tief durch und erbittet sich eine kurze Verschnaufpause und eine Cola. Natürlich erfülle ich ihm gerne diesen Wunsch und spurte los.

„Ani Su!“, grüße ich die Gruppe gut angezogener Männer, die an einem der Tischchen in der Tanke sitzt. Sie sind erfreut und rufen fröhlich zurück. „Lass dir ein Eis spendieren!“, sagt einer. „Du bist sehr mutig, und es ist schön, dass du versuchst, unsere Sprache zu sprechen!“ Ich lehne ab, doch ihm ist es ernst. „Lass Dir etwas schenken! Ich bin sauer, wenn du gehst, ohne etwas von uns angenommen zu haben!“ Na gut, ein Eis. Warum auch nicht? Danke! “Ini Tie!” Mit zwei Coladosen und einem superleckeren Eis (Magnumstyle) kehre ich zu Heppo zurück, der sich mittlerweile von dem Großstadtschock etwas erholen konnte und nicht mehr gar so verärgert guckt. Ich erzähle ihm von dem netten Erlebnis.

Das Sleeping Camel finden wir dann zum Glück ohne Probleme. Und was uns dann wirklich in Hochstimmung versetzt, ist ein Bier, unser erstes, seit fast zwei Monaten. Dazu eine große Portion French Fries. Die Welt ist gut, und Mali vielleicht auch gar nicht so übel!

*“Da geht uns noch alles kaputt!“