Bei den Webern

Musiktipp: Der angesagte Musikstil in der Elfenbeinküste heißt Coupé-Decalé und ist sehr tanzbar!

Bei den Webern

Das Kirchengeläut der katholischen Kirche in Ferkessedougou hört sich an wie ein Feueralarm. Es ruft zur ersten Messe dieses Tages. „Herrgott! Die nehmen ihren Glauben aber ernst!“, stöhne ich. Der Vorteil ist aber, dass wir bereits um sechs Uhr morgens hellwach sind.

Gefärbte Baumwolle

Auch im nächsten Ort namens Korhogo kommen wir wieder bei einer Kirche unter, diesmal bei den Baptisten. Der Vikar Père Paul stammt aus dem Togo. Obwohl die gesamte kirchliche Anlage ausgebucht ist, ist er so liebenswürdig, uns sogar einen Zugang zu einem Zimmer mit Klo und Dusche klar zu machen.

Die Frauen fügen die Stoffbahnen zusammen

Korhogo ist das Zentrum alter Handwerkstraditionen: Maler, Weber, Schmuckhersteller, Schnitzer und Schmiede soll es dort geben. In der Stadt spricht uns ein junger Mann an. Petit Solo, so heißt er tatsächlich. Er ist Guide und möchte uns in das Dorf der Weber und zu den Schmieden führen. „Auch ein Maskenfest könnt ihr sehen!“, lockt er uns auf Deutsch. 18.000 CFA will er für seine Dienste. Nicht gerade billig! Wir sind uns aber einig: Manchmal ist es eben doch ganz gut, mit einem Ortskundigen zu gehen. Vor allem das Maskenfest, das sich etwas später als eine Beerdigung herausstellen wird, könnten wir ohne ihn sicherlich nicht besuchen.

Arbeitsteilung: Die Männer weben, die Frauen nähen

Und hier die fertigen Produkte

Zuerst geht es aber ins Dorf der Weber. Auf einem überdachten Platz sitzen auf selbstgebauten Webstühlen ausschließlich Männer vor langen bunten Fadenreihen. Die gewebten Bahnen sind wohl kaum breiter als 15 Zentimeter. „Das Handwerk wurde etwa im 13 Jahrhundert von den Maghrebinern in die Elfenbeinküste gebracht!“, erklärt Petit Solo. „Im Gegenzug musste die Dorfbevölkerung den islamischen Glauben annehmen!“ Seit dieser Zeit ist das Dorf eine große Manufaktur. Die Männer und Jungen, man beginnt im Alter von etwa 10 Jahren, sind für das Weben zuständig. Die Frauen verspinnen die Baumwolle und nähen die schmalen Bahnen zu größeren Stoffstücken zusammen. Wiederum die Männer schneidern daraus dann die bunten und etwas steifen Kleidungs- und Gebrauchsstücke, die mich in ihrer schönen Schlichtheit ein bisschen an die Gewänder der Amish people in Amerika erinnern.

Beerdigung und Trommelfest in der Elfenbeinküste (Foto: Heppo)

„Wir müssen los zum Maskenfest!“, drängt Petit Solo auf Aufbruch. Erst auf dem Weg erfahren wir, dass es sich um eine Beerdigung handelt. „Kein Grund zur Trauer!“, meint unser Guide, als er unser Zögern bemerkt. „Eine Beerdigung ist ein fröhliches Ereignis!“. Es bedeutet, dass der Verstorbene endlich in eine bessere und schönere Welt hinübergehen kann. Manchmal wird jahrelang darauf gespart, denn das Fest wird mit großem Pomp gefeiert. Zahlreiche Trommel- und Balaphongruppen treten auf, die Masken kommen, und ein ganzes Dorf, Freunde plus die zahlreiche Verwandtschaft wollen verköstigt werden. Das alles kostet natürlich. Als der Sarg zu Grabe getragen wird, geht es hoch her. Kindern schwenken Wedel aus Pferdehaaren, Männer wie Frauen tanzen. Bunt geht es zu und laut und wild und tatsächlich eher ausgelassen bis lustig. Unglaublich! Auch ich werde dazu aufgefordert mitzutanzen, also wackle ich ein bisschen mit den Hüften und hüpfe von einem Bein auf das andere. Schon werden die ersten Handys gezückt und kleine Videos von der komisch tanzenden weißen Frau angefertigt. Besser höre ich wieder mit meiner Performance auf; ich möchte ja niemandem die Schau stehlen.

Berit beim Tanzen (Foto: Heppo)

„Kopf runter!“, schreit mich Solo plötzlich an. „Dort ist eine der echten Masken, die besonders für Frauen sehr gefährlich sind!“ Tatsächlich habe ich schon von diesen gelesen. Es gibt Masken, die zu Unfruchtbarkeit und sogar zum Tod führen können. Neugierig wie ich bin, linse ich aber trotzdem nach der Maske und sehe nur ein riesiges, wandelnden Grasbüschel. Oh, wenn das mal kein Fehler war! Aber – zum Glück – glaube ich ja nicht an diese Dinge.

Beerdigungen sind hierzulande keine traurige Angelegenheit (Foto: Heppo)

So viele Leute! (Foto: Heppo)

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