Glück und Pech

Trotz unserer verfrühten Rückkehr nach Deutschland möchte ich nach wie vor von Afrika berichten. Hier geht es also nun weiter mit einem Bericht aus Ghana (Dezember 2019):


Musiktipp: Sushine day von Oisibisa mit Musikern aus Ghana, London und Nigeria:

Frau Scherer will Aufmerksamkeit

„Unsere nächste Reise machen wir definitv zu Fuß, oder mit dem Fahrrad oder meinetwegen mit einem Esel!“, jammert Heppo. Und Recht hat er. Wir haben genug. Dauernd muss man sich um Frau Scherer kümmern. An ihr schrauben und basteln. „Ich mag wirklich nicht mehr. Seit Tagen liege ich nun schon im größten Siff!“ Heppo guckt mich verzweifelt an: „Wenn ich meinen Helfern nicht ununterbrochen auf die Finger schaue, reparieren uns die noch das ganze Auto kaputt!“

Wir kennen eine Menge Leute, die sich in Marokko, Indien oder sogar China neue Federn haben anfertigen und einbauen lassen, zu Schnäppchenpreisen und ohne Beanstandungen. Wir jedoch haben stets Pech: Immer, wenn wir etwas an unserem Expeditionsmobil machen lassen, haben wir danach mehr Probleme als zuvor.

Aufgesprüht

Sprühmeister

Jetzt zum Beispiel wieder: Die Springs & Bolts Company in Kumasi sieht zwar nach einer wirklich ordentlichen Firma aus, aber, was uns hier geliefert wird, ist eine echte Katastrophe! Auf den ersten Blick sehen die Federpakete toll aus, man hat sich sogar die Mühe gemacht mit gelber Farbe ein MB für Mercedes Benz und die Typbezeichnung LA710 aufzusprühen. Doch was hilft es, wenn sonst nicht passt? Die einzelnen Lagen liegen nicht plan aufeinander, die zweite Lage ist um das Auge herum zu dick gebogen und – was wir blöderweise erst nach dem Einbauen feststellen – bei einem der Pakete fehlt sogar eine komplette Lage. Das darf doch einfach nicht wahr sein. Alles muss nun noch mal ausgebaut werden. Die Mitarbeiter der Firma, die Heppo zur Seite gestellt wurden, sind keine Mechaniker und daher auch keine wirkliche Hilfe. Im Gegenteil! George, der Chef, ist redlich bemüht um Schadensbegrenzung. Er gibt uns Bier aus und versucht uns zu beruhigen. Der indische Ingenieur darf sich dafür eine Standpauke anhören. Er senkt den Kopf und sagt: „Yes Sir, it‘s all my fault!“ Er tut uns ein bisschen leid, aber wir hatten ihn wiederholt darauf hingewiesen, Fotos von den Federn zu machen und diese genauer auszumessen.

Sorry George, aber an Deinen Federn musst Du echt noch arbeiten!

Mit zunehmendem Bierkonsum wird George redselig und erzählt uns seine Lebensgeschichte: Als ungeliebtes Kind wurde er in eine sehr einfache Farmerfamilie geboren. Fast ohne Schulbildung ging er Anfang der 80er Jahre als „Shoeshine“ (Schuhputzer) nach Nigeria. Bald lernte er Leute kennen, die mit Autoersatzteilen handelten. Er stieg in das Geschäft mit ein und wurde prompt um seine ganzen Ersparnisse (1000 Dollar) betrogen. Doch er blieb dabei und vermehrte schnell sein Vermögen. Zurück in Ghana kaufte er sich ein Stück Land und gründete außerdem ein Ersatzteilgeschäft in Kumasi. Auf seinem Land baute er Gemüse im großen Stil an. 2011 wurde er Ghanas Best Farmer, worauf er noch heute besonders stolz ist. Heute arbeiten 120 Angestellte auf seiner Farm. Vor drei Jahren übernahm er die Federnfabrik mit dem Ziel diese zu einem führenden Unternehmen in Ghana aufbauen.

Zum Verzweifeln!

Vor seinem Büro hängen die Leitsätze der Firma:
Mission: To manufacture and sell high quality leaf springs, u-bolts, trailer suspensions, bolts and nuts that meet international standards in the West-African sub-regions.

Visions: To be the leader in the manufacturing of quality and affordable leaf springs, trailer suspensions, spring and u-bolts in the West African sub-regions and Africa at large. To become the number one brand in the African automotive industry.

Große Worte! Wir wünschen George viel Glück, seinen Kunden allerdings auch!

Spruch am Firmengelände der Springs & Bolts Company: Man hätte Lust es trotzdem zu tun.


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