Strand und Dschungel

Trotz unserer verfrühten Rückkehr nach Deutschland möchte ich nach wie vor von Afrika berichten. Hier geht es also nun weiter mit einem Bericht aus Ghana (Dezember 2019):


Am Brenu Beach: Ton in Ton

Schon wieder eine Beerdigung! Seit zwei Tagen sind wir am traumhaften Brenu Beach; und genauso lange findet bereits eine dieser lauten und seltsam fröhlichen Beerdigungen statt. Die Gäste sind alle gleich angezogen, sie tragen schwarze und rote Festtagskleidung. Tagsüber marschieren Brassbands durch den Ort, nachts legen DJs auf, und es wird ausdauernd getrommelt- alles zu Ehren des Verstorbenen. Seltsam finden wir das , aber auch irgendwie schön.

Typische Fischerboote am Brenu Beach

Wir am Brenu Beach

Die Dorfkinder belagern uns. Manche sind frech und nervig, manche sind süß und lieb, andere sind vor allem geschäftstüchtig. Zwei Jungen tun sich besonders hervor. Sie beliefern uns täglich mit frischen Kokosnüssen und haben stets das passende Wechselgeld parat. Die Kokosnuss wird für uns mit gezielten Machettenhieben „geköpft“, damit wir das leckere Wasser trinken können. Danach zerlegen die Businessmen in spe die Kokosnuss in zwei oder drei Teile, aus denen wir das eiartige Fruchtfleisch löffeln können. Mit den Kokosnüssen, die man bei uns manchmal im Supermarkt kaufen kann und, deren Fruchtfleisch oft hart und zäh ist, haben sie nichts gemeinsam. Eine echte Offenbarung ist das für uns beide.

Dschungelwalk noch vor Sonnenaufgang

Im Kakum Nationalpark ist die Hauptattraktion für die meisten Besucher der sogenannte Canopy Walkway, ein Weg, der auf circa 40 Metern Höhe und 400 Metern Länge über 8 Hängebrücken führt. Bevor wir diesen aber betreten, haben wir eine 1,5 stündige Dschungeltour gebucht. Um 5 Uhr morgens soll es losgehen, doch Jussuf, unser Guide, lässt uns warten. Ziemlich verknittert taucht er gegen 5.15 Uhr auf. Da es noch dunkel ist, haben wir uns mit Taschenlampen ausgestattet. Jussuf zeigt sich botanisch bewandert und erklärt uns vor allem Bäume.

Dieses Blatt ist nicht aus Bronze…

Unter anderem weist er uns auf den sogenannten „Jungle Survivor“ hin,  der über Luftwurzeln köstliches Trinkwasser nach oben transportiert. Leidet man im Dschungel also an Durst, muss man nur eine der Wurzeln kappen, und schon kann man diesen stillen. Ein anderer Baum wird zum Färben verwendet. Sein Rinde wird angeritzt, und es tritt ein weißer Saft heraus, der sich jedoch bereits nach wenigen Minuten an der Luft zu Rostrot wandelt. Auch interessant ist eine etwa 30 Zentimeter hohe Pflanze, deren Wurzeln angeblich aussehen wie ein Hundepenis. Wahrscheinlich sagt man ihr deswegen eine herausragende aphrodisierende Wirkung nach, aber auch gegen Hüftbeschwerden soll sie wirken.

Urwald von oben

Ein paar Affen hüpfen über uns durch die Baumkronen, wirklich zu sehen bekommen wir sie aber leider nicht. Ansonsten ist die Tour nicht sonderlich spannend. Der größte Aufreger ist, dass wir von Ameisen attackiert werden, zum Glück sind diese von der harmlosen Sorte. Schmerzhaft sind ihre Bisse dennoch. In meiner weiten Stoffhose haben sie sich so breit gemacht, dass ich noch eine Stunde später die Folgen unseres morgendlichen Ausfluges zu spüren bekomme.

Der Canopy Walk im Kankum National Park

Selten ein Schaden, wo nicht auch ein Nutzen ist! Die Krabbeltierchen lenken mich immerhin von meiner Höhenangst ab. Todesmutig betrete ich die wackeligen Hängebrücken und bin ziemlich stolz auf mich, dass ich es gewagt habe. Und wir haben richtiges Glück: Wir sind so früh unterwegs, dass wir die Brücken komplett für uns alleine haben. Schön ist es, über die Kronen der Urwaldriesen zu blicken und zu sehen, wie der morgendliche Dunst dem Wald unter uns entsteigt. Nur die Affen machen sich leider rar. Zwar sind sie da, doch ihre Anwesenheit erkennen wir nur daran, dass es im Blattwerk raschelt und sich die Baumwipfel bewegen.

Aufsitzerpflanzen, die auf anderen wachsen, heißen Epiphyten