
Unsere Fahrt durch den Benin war definitiv ein Höhepunkt der Westafrikareise…
Mein neuer Artikel über unsere Reise durch Benin ist gerade bei Matsch & Piste erschienen:

Unsere Fahrt durch den Benin war definitiv ein Höhepunkt der Westafrikareise…
Mein neuer Artikel über unsere Reise durch Benin ist gerade bei Matsch & Piste erschienen:
Bei Matsch & Piste erschien mein Bericht über unseren Aufenthalt in Benin, pünktlich zum Voodoo-Festival Anfang Januar:

Oh happy day: Frau Scherer in Hamburg
Leider komme ich gerade fast nicht zum Schreiben. Ein Artikel über Frau Scherers spannende Rückreise mit dem Schiff von Abidjan (Elfenbeinküste) nach Hamburg und weiter Richtung Regensburg muss daher noch etwas warten, ebenso die ausstehenden Berichte über Togo und Benin… Seufz, das Landleben hält uns ziemlich auf Trab. Ich sage nur: “Kartoffelacker!”
Soviel sei dennoch schon verraten: Frau Scherer steht mittlerweile wieder bei uns am Hof – zum Glück nur leicht lädiert, dafür aber mit neuem Selbstbewusstsein. Selbstständig ist unser Expeditionsmobil geworden! Es kann nun schon ganz alleine von Kontinent zu Kontinent reisen. Wahnsinn!
Die Verschiffung ging übrigens über ECU Worldwide: Das ist ein sogenannter Forwarder (Agent), den wir mit bestem Gewissen empfehlen können. Es gibt Ansprechpartner in Hamburg, auch in Abidjan und an weiteren Häfen weltweit.
Trotz unserer verfrühten Rückkehr nach Deutschland möchte ich nach wie vor von Afrika berichten. Hier geht es also nun weiter mit einem Bericht aus Ghana (Januar 2020):

Heute ertrage ich die Aussicht nur gefiltert!
Als wir am nächsten Morgen aufwachen, dem ersten Tag des neuen Jahres 2020, realisiere ich erst, was neben dem Rising Phoenix so los ist. Das Gewusel dort hatte ich gestern schon irgendwie registriert, aber offenbar war mein Gehirn von all der Information so komplett überfordert gewesen, so dass ich wohl immer schräg daran vorbei geguckt haben musste. Dabei ist das, was dort geschieht, eigentlich ganz normal und einfach nur typisch Afrika. Auf einem großen Platz spielt sich das gesamte Leben des gleichzeitig so dörflichen wie städtischen Viertels von Accra ab. Da wird gekocht, gewaschen, Kinder spielen und Hunde laufen durcheinander. Man massiert sich gegenseitig, streitet, dealt mit Gras, raucht Zigaretten und trinkt Alkohol. Alles, einfach alles, spielt sich hier öffentlich ab.
Etwas von der Ferne betrachtet sieht dieses afrikanische Sittengemälde aus wie ein riesiger Haufen aus Menschen, Tieren und großen Töpfen. Doch bei längerer Beobachtung dieses eigentlich harmlosen Wimmelbildes merke ich, wie meine Synapsen das wilde und bunte Durcheinander nur schwer ertragen können. Manchmal muss man mutig sein, vor allem bei Dingen, die man so gar nicht erwartet.
Vielleicht verhält es sich hier ja ein bisschen so wie bei der Geschichte mit den Schiffen von Columbus. Diese konnten von den amerikanischen Ureinwohnern nicht wahrgenommen werden, einfach deshalb, weil das, was sie sahen, so völlig anders war als alles, was sie bisher gekannt hatten. Eine seltsame Erfahrung, das merke ich gerade jetzt, und ein Lehrstück darüber, wie Wahrnehmung funktioniert.
Ähnliche Themen beschäftigen auch das amerikanische Lehrerehepaar Polly und Leo. Die beiden sympathischen Kalifornier, die gerade ein Auslandsjahr als Lehrer an einer internationalen Schule in Accra verbringen, hatten wir in der Ashanti-Region bei einem der Kente-Weberdörfer kennengelernt. Obwohl ich sonst selten so forsch bin, hatte ich damals die beiden nach ihrem Kontakt gefragt. Nun haben wir uns mehr oder weniger selbst zu ihnen eingeladen. Die Sympathie ist aber zum Glück gegenseitig. Sie wohnen in einem mit Stacheldraht gesicherten Anwesen der Schule, in dem ausschließlich Mitarbeiter der Lincoln School untergebracht sind.
Polly ist Grundschullehrerin und fiebert bereits der Rückkehr nach Kalifornien entgegen. Leo als Kunstlehrer kann dagegen Ghana doch einiges abgewinnen, vermutlich sogar sehr viel. In seinen großformatigen Arbeiten beschäftigt er sich mit Voodoo, Geistern, unheiligen Familien, wilden Männern, dem Boogieman und Opfergaben. Wiederkehrende Symbole sind anatomisch gezeichnete Herzen und Krähen. Ganz schön düster! Dazu sitzen die beiden in einer fast komplett verdunkelten und stark gekühlten Wohnung und hören dunklen Ambientsound – ein extremer Kontrast zum bunten und heißen Leben draußen vor der Tür. Fast scheint es, als ob die beiden ein (dunkles?) Geheimnis hätten…
Trotzdem, diese beiden Menschen sind so liebenswert und gastfreundlich, dass wir uns auf der Stelle sehr wohl bei ihnen fühlen. Interessante Leute sind das, die bereits in Japan, Indien, Saudi Arabien und an vielen weiteren Ländern auf dieser Welt als Lehrer gearbeitet haben. Ghana wird aber wohl ihre letzte Auslandserfahrung bleiben, denn die beiden sind eigentlich schon längst im Rentneralter. Ich finde ihr Engagement auf jeden Fall sehr bewundernswert. Sie ähneln in mancher Hinsicht dem Resort-Besitzer Philippe vom Fanta Folly‘s Beach. Hier treffen wir also schon wieder auf Menschen, die sich nicht gemütlich in festgefahrenen Bahnen bewegen, sondern die sich trotz ihres fortgeschrittenen Alters ihre Neugier bewahrt haben und Neues ausprobieren wollen. Sie sind für mich ein Vorbild, und ich nehme mir fest vor, auch weiterhin neugierig, mutig und unerschrocken zu sein. Kein schlechter Vorsatz für das neue Jahr, nicht wahr?
Trotz unserer verfrühten Rückkehr nach Deutschland möchte ich nach wie vor von Afrika berichten. Hier geht es also nun weiter mit einem Bericht aus Ghana (Dezember 2019):

Raketen kaufen beim Böllermann
Heute ist Silvester. Weil uns nichts Besseres einfällt, bleiben wir gleich neben der Rising Phoenix Bar in Accra am Strand stehen. Die Sache erscheint uns als guter Kompromiss. Die schöne Bar hat zwar geöffnet, aber eine große Party wird dort nicht stattfinden. Wir haben etwas Angst um Sidi, der seine Jahresübergänge immer sehr ruhig verbringen durfte. Die Knallerei ist ja für die meisten Hunde eine echte Qual. Wir wissen nicht, wie und ob er auf Raketen und Böller reagieren wird…

Auch ein schöner Stellplatz in Accra: Next Door Beach Resort
Dass der Abend dann einerseits unglaublich öde und andererseits schrecklich aufregend werden würde, haben wir uns nicht ausmalen können. Nun, es ist wirklich fast niemand in der Bar. Nur ein paar dieser schrecklich schnöseligen „Respect-Man-Rastaboys“, die mir wirklich total auf die Nerven gehen, sind anwesend. Wir wollen den Jungs trotzdem eine Chance geben und setzen uns mit ihnen zusammen. Während der eine es aber nur auf “free beer and free cigarettes ” abgesehen hat, ist der andere dermaßen bekifft, dass er immer wieder mitten im Satz einschläft. Gähn! Heppo und ich kommen auch nicht recht in Partylaune. So sitzen wir also nur die Zeit ab, bis es endlich Mitternacht ist, wo wir ein spektakuläres, aber weit entferntes Feuerwerk über dem Meer beobachten können. „Endlich darf ich ins Bett!“, freue ich mich und ziehe mich in den LKW zurück.

Mückensicherer und künstlerischer Blick durchs Fenster, vor der Rising Phoenix Bar
Während Heppo noch laut darüber nachdenkt, ob er seinen neuen Rastafreunden in einen Club in der City folgen soll, beginnt eine Horde Menschen direkt vor unserem Laster ihre Knallfrösche auszupacken. Unser Hund ist nach nur wenigen Minuten ein absolutes Nervenbündel. Schwer atmend liegt er nun in der Ecke, sabbernd und hyperventilierend. Wir haben wirklich Angst um ihn. Ich versuche, ihm die Ohren zuzuhalten, ihn mit lauter Musik abzulenken und singe ihm sogar Lieder vor. Nichts hilft. Unser Hund ist außer sich!

Unser armer Hund Sidi macht in Afrika einiges mit…
Draußen steigert sich das Geballere noch: Kaum ist eine Gruppe fertig, rollt die nächste an und zündet munter Kracher um Kracher und Rakete um Rakete. Als einziges Ablenkungsmittel fällt mir nur noch ein, Sidi zu uns Bett zu holen, – normalerweise ein striktes No-Go. Erst als er unter einem dünnen Laken zwischen uns liegt, beruhigt er sich etwas. Der arme Kerl!

Manchmal hat er aber auch richtig Spaß mit uns, ehrlich!